Vladyslav Sendecki (Polen): IN SPIRIT OF GEORGE (Kompositionen 2012 von G. Gruntz und V. Sendecki)

EXTRAKONZERT IN ERINNERUNG AN GEORGE GRUNTZ (1932-2013)

Samstag, 4. Mai 2013, 20.00 Uhr


Eintritt: Fr. 35.– (Ermässigung für Schüler und Studenten)

 

«George Gruntz ist ein Visionär der Jazz-Szene gewesen, ein äusserst kreativer Komponist und ein genialer Mensch» (Peewee Windmüller) 

Der international wohl einflussreichste Jazzmusiker der Schweiz starb am 10. Januar 2013 im Kreise seiner Familie in Allschwil. Der Schweizer Jazz verlor mit ihm einen Pionier, ein Aushängeschild und einen grossartigen Menschen. George Gruntz prägte die Jazzgeschichte der letzten 50 Jahre massgeblich mit. Noch im November 2012 war er in New York. Gruntz war ein Vielschaffer, der auch im hohen Alter nicht ans Aufhören dachte: Unermüdlich komponierte und konzertierte er. Trotz der schweren Krankheit hatte er noch in seinen letzten Lebensmonaten gearbeitet und sechs «super Kompositionen» vollendet. Ende November 2012 sind diese Werke unter der Beteiligung der «Crème de la Crème der New Yorker Jazz-Szene» und in Anwesenheit von George Gruntz in den USA eingespielt worden. Den Pianopart konnte George Gruntz nicht mehr selber übernehmen. Doch das Album wurde mit seinem Lieblingspianisten, dem polnischen Jazzpianisten Vladyslav Sendecki, fertiggestellt. Die letzte CD mit Werken von George Gruntz erscheint diesen Frühling. Das Programm von „IN SPIRIT OF GEORGE“ ist George Gruntz und seinen letzten Werken gewidmet. Vladyslav Sendecki hat mit diesen Kompositionen einen Solo Pianoabend zusammengestellt. Es werden aber auch Werke von Sendecki erklingen.

Dieser Abend ist ein kleines Dankeschön an den grossartigen Künstler und Menschen George Gruntz.

 


Vladyslav Sendecki (Polen)

Vladyslav Sendecki ist ein Wanderer, ein moderner musikalischer Pilger, neugierig auf verschiedene Klänge und Kulturen. „Für mich bedeutet Musik immer auch Freiheit“, sagt der Pianist, „Freiheit und Austausch von Gedanken und Gefühlen – mit dem Publikum, mit anderen Musikern, mit dem Instrument und mit mir selbst.”
Sedeckis Kunst ist untrennbar Teil seiner Geschichte. 1955 wurde er im polnischen Gorlice geboren. Im Alter von vier Jahren erhielt er den ersten Klavierunterricht, mit elf lernte er an der „Frédéric Chopin Musik-Schule“ und studierte später an der Akademie in Krakau. „Ich sollte zum ’Klassiker’ gezüchtet werden“, erinnert er sich, „lernte dabei allerdings auch das Vermögen, jede Melodie, jeden einzelnen Ton buchstäblich zu leben.“ Als 15-jähriger Konzertpianist hatte er bereits die ersten Tourneen absolviert, da packte ihn eine in Polen offiziell verpönte Leidenschaft: Unter der Hand kursierten hinter dem eisernen Vorhang die Schallplatten von Weather Report und Mahavishnu. Sendecki entdeckte den Jazz. Er gründete eigene Bands wie „Extra Ball“ und „Sunship“, machte immens erfolgreichen Jazzrock, wurde von den polnischen Jazzfans gefeiert und zu Festivals in ganz Europa eingeladen. Trotzdem begann jede Tournee mit dem gleichen Kampf um die Ausreisepapiere. „Ich fühlte mich wie eingeschlossen“, sagt er. „Also wurde das Reisen immer wichtiger für mich. Es bedeutete Freiheit.”
1981 löste sich Sendecki vom Gängelband, emigrierte in die Schweiz und startete von dort eine internationale Karriere: In der ersten Liga des Jazz spielte er nun, an der Seite von Joe Henderson, Lenny White, Marcus Miller, Randy und Michael Brecker, Jaco Pastorius, Billy Cobham, Till Brönner und Klaus Doldinger. Mitte der 1990er zog Sendecki nach Hamburg. Er wurde Mitglied der NDR Bigband. Sehr zur Freude von namhaften Jazzkomponisten wie Michael Gibbs oder Colin Towns, die sein vollendetes Klavierspiel lieben, eigens Stücke für ihn schreiben und nicht selten atemlos und staunend zuhören, wie der Pianist ihre Musik in seinen Solo-Kadenzen auf Herz und Nieren prüft, sie in ungeahnte Regionen führt. Sänger wie Al Jarreau und Bobby McFerrin suchen als Gäste der NDR Bigband gezielt Sendeckis Nähe, genießen sein Einfühlungsvermögen und seine Erfindungsgabe.
Auch als Komponist hat Sendecki Neuland betreten: Im Jahr 2000 schrieb er die 10-teilige Big Band-Suite ”Anima Mundi”: eine Klangreise von Afrika über Indien und Japan bis nach Europa, ein virtuelles Treffen der Musikkulturen, das einmalig ist in der Welt des Jazz. Fünfzehn Jahre lang hatte Sendecki dafür Klänge und Gesänge aus aller Welt in seinem Computer gesammelt. Als ”Samples” bekamen sie in der Partitur ihre eigenen Stimmen und wurden der Band per Tastendruck punktgenau zugespielt. „Ich setzte damit einen Traum um: eine konfliktlose Welt“,  sagt er. „In deren Zentrum ist der dialogfähige, tolerante Mensch, der sich über Schlagbäume und geistige Grenzen hinwegsetzt.“
Wie seine Kompositionen ist auch Sendeckis pianistisches Solospiel ein Statement jenseits gängiger Trends und Moden. Es lebt von der unverwechselbaren Persönlichkeit seines Schöpfers. Sendeckis Spiel vereint viele Einflüsse und wandelt doch in keiner konkreten Spur, will sich in keiner Schublade abgelegt sehen, sucht nicht nach griffigen Schlagworten wie Jazz oder Klassik, Komposition oder Improvisation. Die Themen gleichen Skizzen, die im Moment des Spielens erst komponiert werden. Immer wieder öffnen sich dabei neue Fenster, fällt neues Licht auf die Musik, entstehen Landschaften von purer Schönheit. Dieses Spiel ist die Summe der Person Vladyslav Sendecki: neugierig, kritisch, sensibel und manchmal schonungslos aufrichtig. Gäbe es einen Untertitel für seine Musik, wäre vielleicht „Romantik des 21. Jahrhunderts“ der treffendste. Denn wenn es neben Freiheit etwas gibt, das sein Leben wir ein roter Faden durchzieht, dann ist es „Romantik“, der Wunsch, beim Spielen Gefühle entstehen zu lassen. „Ich empfinde die heutige Welt oft als zu kalt und gefühllos“, sagt Vladyslav Sendecki. „Ich möchte, dass die Menschen ein wenig sensibilisiert werden durch meine Musik.“ Vom ersten Ton an gelingt ihm dies. Stefan Gerdes/NDR Jazz


Zitat
„Als klangsinniger Pianist von höchster harmonischer Rafinesse und melodischer Erfindungsgabe wie auch als sicherer Bebopper und vor allem Multi-Keyboard-Spezialist der Extraklasse genießt Vladyslav Sendecki einen glänzenden Ruf als Musicians’ Musician ... Der polnische Tastenkünstler, der fort anknüpfte, wo Jan Hammer aufgehört hat, erfüllt im Übermaß die Erwartungen.“ (rororo Jazzlexikon)

 

(Photo von V. Sendecki: Steven Haberland) 

 

PPPP-Production 2013 mit freundlicher Unterstützung der Gemeinde Allschwil. 

Tickets

- PIANO DI PRIMO AL PRIMO PIANO, tickets@piano-di-primo.ch oder Tel. 061 481 13 70

- BIDER & TANNER, IHR KULTURHAUS MIT MUSIK WYLER, Aeschenvorstadt 2, Basel, 061 206 99 96

- BUCH AM DORFPLATZ AG, Baslerstrasse 2a, Allschwil, info@buch-allschwil.ch oder Tel. 061 481 34 35

Eintritt: Sfr. 36.-- / Studentenrabatt mit Ausweis Sfr. 28.--.

Die Abendkasse und die Bar sind ab 19.15 Uhr offen. Freie Platzwahl.

 

Tipp: Da die Konzerte in einer gemütlichen, nicht isolierten Scheune stattfinden, bitten wir Sie um witterungsangepasste Kleidung.

Lageplan Piano di Primo Allschwil
Lageplan Piano di Primo Allschwil