NIK BÄRTSCH (CH): EKSTASE DURCH ASKESE (Piano solo)

Samstag, 8. September 2012, 20.00 Uhr

Eintritt: Fr. 35.– (Ermässigung für Schüler und Studenten)

 

RITUAL GROOVE MUSIC ist Programm meines musikalischen Denkens. Die Musik ist geprägt von der Liebe zum architektonisch gegliederten Raum, zu repetitiven und reduktiven Prinzipien und zur rhythmischen Verzahnung. Ein Stück kann wie ein Raum betreten, bewohnt werden. Durch obsessive Drehmomente, Überlagerungen verschiedener Metren und Mikrointerplay bewegt sich die Musik fort und verändert ihre Zustände. Die Aufmerksamkeit wird auf die minimen Variationen und Phrasierungen gelenkt. Improvisation spielt bei aller kompositorischen Strenge und Bündelung eine wichtige Rolle in meiner Musik. Mein Denken und meine Musik entwickeln sich aus der Tradition des urbanen Raums. Sie sind aus dem universellen Klang der Städte destilliert, nicht aus einer nationalen oder Stil-Tradition. Die Stadt in ihrer rauschhaften Vielfalt fordert die Fähigkeit zu fokussieren - Beschränkung aufs Wesentliche: Dosiert agieren, am richtigen Ort nichts tun. Diese Musik schöpft ihre Energie aus der Spannung zwischen kompositorischer Strenge und improvisatorischer Selbstüberlistung. Aus selbstgewählter Einschränkung entsteht Freiheit. Ekstase durch Askese.

"Bärtsch's mysterious music will be around for a lot longer than the quick fix that majority taste seems to clamour for.” The Observer (UK)

Biografie
1971 in Zürich. Pianist, Komponist und Produzent. Lebt in Zürich. Unterricht in Jazz- Klavier und Schlagzeug ab dem 8. Lebensjahr.
1997 klassisches Klavierdiplom an der Musikhochschule Zürich.
1998-2001 Studium der Philosophie, Linguistik und Musikwissenschaft an der Uni Zürich (nicht abgeschlossen).
2003/04 halbjähriger Japanaufenthalt
Arbeitet als Pianist und Komponist stets an seiner RITUAL GROOVE MUSIC. Leader von des Zenfunk-Quintetts RONIN (seit 2001; mit Kaspar Rast, Björn Meyer, Andi Pupato & Sha) und der akustischen Musikritualgruppe MOBILE (seit 1997; mit Kaspar Rast, Mats Eser & Sha). Lehrauftrag für 'Praktische Ästhetik' an der Musikhochschule ZH/Winterthur (2000-2003).
Mitbegründer des Musikclubs EXIL (2009, www.exil.cl). Interesse am Einfluss und der Kombination von Musik und Bewegung, speziell von folgenden Körpertechniken: Aikido, Feldenkrais, Gyrotonic.
Verschiedene Preise ab 1999.
Größere Kompositionen:
- 'Modul 26 for Sextet' für die New Yorker Gruppe Bang On A Can (25 Minuten, 2010, UA Merkin Hall New York).
- 'Orit' für drei Perkussionisten (25 Minuten, 2008, UA am Mehrklang Festival Freiburg 08)
- 'BLUE TRILOGIE' mit MOBILE (2000-02), drei 36 stündige Multimedia Live Konzerte.
- 'SEE - ein live musikalisches Raumbild' mit MOBILE und OOS (6 Stunden, 2005).
- 'Modul Ritual', New Chamber Funk I, Komposition für 4 Saxophone, Piano, Rhodes, Drums & Perkussion (70 Minuten, geschrieben in Japan 2003/04 für das ARTE QUARTETT).
- 'Orchestrated Moduls', New Chamber Funk II, Komposition für RONIN und das Ensemble für Neue Musik Zürich (2005, 60 Minuten).
- 'Macbeth' von Shakespeare/Müller, (Sophiensäle Berlin 2004), Regisseurin: Nora Somaini.
- Solo Projekt 'Hishiryo' für präpariertes Piano und Perkussion (seit 2001)
Weitere Aufträge:
- Musik für die Dokumentarfilmprojekte Photo Suisse (2003-04), Design Suisse (2005-06) und für “Swiss View”, Teil Zürich (2005-06) und HDTV (2007-10) von SF DRS.
- Verschiedene Kompositionen für Theater: 'Titus Andronicus' von Shakespeare/Müller am Theater Kampnagel in Hamburg (1999); 'Gier' von Sarah Kane (Dresden 2001) und 'Kühltransport' von Maxim Biller (Dresden 2002); 'Medea' von Euripides' (Stadttheater Mönchengladbach 2002), Regie: Nora Somaini.
- Musik für die CD 'Design Hören' des Architekturmagazins “Hochparterre” & des ITH (2004)
- Verschiedene Arbeiten für Fernsehen (ARD und SF DRS)


Presse
'Alsdann Nik Bärtsch solo am Flügel. Die pur akustischen Module wirken in ihrer kristallinen Stringenz musikalisch höchst anspruchsvoll und bauten auch in den eher ambientösen Klangräumen ohne lineare Bewegunsrichtung subtile Spannungen von Progression auf. (...) Grossartiges, sehr gewinnbringendes Konzert, nach wie vor ein unglaubliches Talent - eine neue Solo-CD ist geradezu zwingend.' Marcus Maida, Jazzthetik März 2010 (D)

'Postulat: Genauigkeit: Spannung in der freien Improvisation mag immer auch auf den Kontrast zwischen musikalischer Stringenz und blossem Rauschen zurückzuführen sein. Dennoch träumte man während der «unerhört!»-Konzerte bisweilen von einem Improvisieren, das trotz Freiheit jederzeit dem Postulat von Genauigkeit und Prägnanz folgen würde – um jeden Ton bewusst zu formen, zu betonen, zu beseelen. Ähnlich vielleicht wie Nik Bärtsch, der am Samstag in seinem Soloauftritt demonstriert hatte, wie in seinem Minimal Funk jeder einzelne Klang zu seinem Recht kommt – rhythmisch, melodisch, farblich.' Ueli Bernays, NZZ 2009 (CH)

'Paradox ist, dass Bärtschs Musik, vom Soloklavierspiel bis zu seinen beiden Gruppen Mobile und Ronin, extreme Konzentration verlangt und enorme Entspanntheit. Sie geht von einer Dominanz des Rhythmischen aus. Sie setzt Wellen von Grooves in Bewegung, die sich zu großer Komplexität schichten, aber so locker in eine Dramaturgie fügen, dass man auf ihnen dahingleitet, ohne zu wissen, wie einem geschieht.'Peter Rüedi, Die Zeit (D)

“What he’s come up with amounts to a whole new musical concept. This is music that throbs with a pulsating dynamism that’s almost hypnotic… woven into the rhythmic tapestry is startling imagery that grows from simple beginnings. Bärtsch's mysterious music will be around for a lot longer than the quick fix that majority taste seems to clamour for.” Stuart Nicholson, The Observer (UK)

“Coole Module statt braver Songs, polyrhythmischer Funk von hypnotischer Hartnäckigkeit.” Rolling Stone (D)

“Groove ohne Ego – Der Schweizer Musiker Nik Bärtsch macht großartigen Zen-Funk.” Süddeutsche Zeitung (D)

”Selten war die Leere so lebendig, selten die Wiederholung so anregend. Und nie zuvor sind krumme Klangmuster so abgegangen.” Fridtjof Küchemann, Frankfurter Allgemeine Zeitung (D)

“Klänge wie japanische Messer, Bärtschs Präzision und Klarheit macht wach … Für alle empfehlenswert: Von Theoretikern und Teezeremonie-Liebhabern bis zu Tanzwütigen.” Oliver Hochkeppel, Süddeutsche Zeitung (D)


Diskografie
Nik Bärtschs Ronin, „LLYRÌA“, ECM 2010
Nik Bärtschs Ronin, „HOLON“, ECM 2008
Nik Bärtschs Ronin, „STOA“, ECM 2006
Nik Bärtschs Mobile, „AER“, 2004, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Ronin, „REA“, 2004, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Ronin, Live, 2003, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtsch, „Hishiryo“, Piano Solo, 2002, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Ronin, „Randori“, 2002, Ronin Rhythm Records
Nik Bärtschs Mobile, „Ritual Groove Music“, 2001, Ronin Rhythm Records