HIPPOCAMPUS VALLEY (piano, sax)

mit OLIVER TABELING und ANDY SCHERRER (CH): HIPPOCAMPUS VALLEY (piano, sax)

Samstag, 12. Mai 2012, 20.00 Uhr

Eintritt: Fr. 35.– (Ermässigung für Schüler und Studenten)

Hippocampus, so heißen in der griechischen Mythologie die Fischpferde, die den Wagen des Poseidon ziehen. Noch heute nennen Meeresbiologen die Fischart »Seepferdchen« bei diesem Namen, ursprünglich glaubte man, diese seien tatsächlich die Jungtiere jener legendären Meeresrosse. Als Hippocampus bezeichnen Mediziner aber auch eine der evolutionär ältesten Regionen des menschlichen Gehirns, deren Prozesse dem Zugriff unseres Bewusstseins entzogen sind. „Da läuft sehr viel im Unbewussten ab“ erklärt Oliver Tabeling. „Und das passiert auch in der Musik, die ich mache, beim Improvisieren und Spielen. Das muss unbewusst im Moment entstehen: indem man eigentlich selbst nur noch Musik ist.“ Sich dem unbewussten Fließen der Musik überlassen zu können, hat Oliver Tabeling solide vorbereitet.
Die Geheimnisse des Piano-Klangs erforschte er als hochbegabter Student des klassischen Repertoires, an der Berklee School Of Music begegnete ihm unter anderem in Meisterkursen mit Hal Galper, Chick Corea und Herbie Hancock jener Mut zur Offenheit, der musikalische Improvisation zum lebendigen Gespräch macht. „Für mich geht es in der Musik darum, die Menschen persönlich zu berühren“ kommt Oliver Tabeling auf den Punkt. Mit seinem Oliver Tabeling Trio zeigte er schon auf bisher zwei Alben, wie ihm das gelingt. „Was man meist Interplay nennt, empfinde ich als ein Gespräch zwischen den Musikern. Beim Improvisieren erzählst Du etwas von Dir. Ein Dialog - im Duo von Angesicht zu Angesicht - hat eine ganz andere Dynamik. Da ist es wichtig, dass man dieselbe Sprache spricht, in denselben Bögen fühlt.“

In dem Tenorsaxofonisten Andy Scherrer (international bekannt nicht nur als Mitglied des Vienna Art Orchestra) fand Oliver Tabeling einen Dialogpartner und Freund, mit dem diese spontane Kommunikation in traumwandlerischer Sicherheit gelingt. Ihre gemeinsamen Auftritte begeisterten Publikum und Kritiker gleichermaßen. „Innerhalb dieses originellen Konzeptes werden Intelligenz und Emotionalität gross geschrieben“ urteilte die Berner Tagespresse und die Basler Zeitung freute sich, dass die beiden Musiker sich im Duo „nie auftrumpfend inszenierten (sondern eher von sympathischen
Understatement geprägt waren)“ und „zu einer starken musikalischen Aussage fähig sind.

Auszug Diskografie
Oliver Tabeling/Andy Scherrer
"Hippocampus Valley"
VÖ Schweiz: 20.05.2010
Foxtones FM0910

Oliver Tabeling Trio
"Walking Along the River" UNIT [2009]

Oliver Tabeling Trio
"Slightly Different" [2001]

Presse
[...] der lockere Umgang mit der Tradition, ihre subtile, inspirierte, offene und zeitgemässe Umsetzung verblüfft, betört die Gefühle und fesselt die Sinne. Innerhalb dieses originellen Konzepts werden Intelligenz und Emotionalität gross geschrieben [...]
Berner Tagespresse

Neun spannungsreiche Dialoge sind dabei entstanden, neun Momentaufnahmen auf einer Reise ins Hippocampus Valley: jenes Grenzgebiet von Unbewusstem, Mythologie, Erfahrungen und Inspirationen. Den Anfang macht »I Should Care«, jener Tommy Dorsey-MGM-Film-Hit von 1945, den Musiker wie Bud Powell, Dexter Gordon, Hank Mobley, Thelonious Monk und Bill Evans schon bald zu einem der schönsten Standards des Jazzrepertoires adelten. Oliver Tabeling und Andy Scherrer beschränken sich nicht auf die Rolle der Interpreten, ihr Spiel mit den Melodien und Harmonien ist das von Inspirierten. So gelingt ihnen auch die Übertragung von Monks Stride-Piano ins 21. Jahrhundert »Chaser, No Straight? NO!« und das intuitive Zwiegespräch »Green In Blue« 50 Jahre, nachdem Bill Evans und Miles Davis mit »Blue in Green« experimentiert hatten. Die Berner Tagespresse schrieb dazu: „Der lockere Umgang mit der Tradition, ihre subtile, inspirierte, offene und zeitgemässe Umsetzung verblüfft, betört die Gefühle und fesselt die Sinne“. Wo genau die Quelle der Inspiration entspringt - bei »Sarabande« beispielsweise in einem barocken Motiv aus Edvard Griegs »Holberg-Suite« oder bei »Behemots Dance« in einer mystischen Figur aus Michail Bulgakovs Roman »Meister und Margerita« - macht für Oliver Tabeling keinen Unterschied.
„Mich interessieren Eindrücke, die ich habe: aus dem Leben, der Natur, ich lese auch viel.“ Die Kompositionen, die er für das Zusammenspiel mit Andy Scherrer schrieb, bilden in gleicher Weise die Grundlage ihrer Zwiegespräche. Und Zwiegespräche, das heißt in ihrem Fall nicht: belanglose Plauderei über das Wetter, oder wechselseitige Prahlerei nach dem Motto: »höher, schneller, weiter«. Ihr Dialog dient dem offenen Austausch von Gedanken, wird von beiden Seiten eloquent mit breit gefächtertem Vokabular betrieben und berührt Themengebiete wie in »I Should Care« die Schwierigkeiten erfolgreichen Selbstmanagements ebenso wie »Caspar by Starlight« die Erinnerung an einen erst unlängst verstorbenen Freund. Nicht alles wird ausdrücklich ausgesprochen, auch das gehört zu einem Dialog unter Freunden. Der Ort, an dem sie sich treffen, liegt zwischen unseren Ohren – Willkommen im Hippocampus Valley!
Basler Zeitung