MARTIN TINGVALL (Schweden): PIANOSAGA

Samstag, 14. Mai 2011, 20.00 Uhr


MARTIN TINGVALL spielt in seinem Soloprogramm einige unveröffentlichte Songs, die erst im Herbst 2011 auf der vierten CD des TINGVALL TRIOS erscheinen. In diesem Sinne eine spannende Premiere bei PIANO DI PRIMO AL PRIMO PIANO ...

Signifikant für die Kompositionen Tingvalls sind in erster Linie die prägnanten Themen. Diese Themen sind grundsätzlich im Kern von einer schlichten Klarheit und erinnern mit ihren melancholischen Harmonien - oft in Moll – und ihrer einfachen Grundrhythmik an Klänge aus der skandinavischen Volksmusik. Was Kritiker häufig als „spezielle Energie“ in Tingvalls Kompositionen bezeichnen, wird vor allem durch die häufigen Tempiwechsel und unterschiedliche Dynamik erzeugt. Typisch ist zum Beispiel, dass innerhalb nur eines Songs sämtliche Tempi benutzt werden. Oft beginnt ein Werk im Adagio, um sich im Verlaufe des Stückes schließlich zum Allegro zu steigern (zum Beispiel bei Vågor). Auch die Dynamik wechselt innerhalb eines Stückes nicht selten vom Pianissimo zum Fortissimo nur um wenig später zum Pianissimo zurückzukehren (zum Beispiel bei Sjörup). Eben noch leise Töne und zarte Melodien werden kurzerhand aufgeschichtet zu dichten, kraftvollen und rhythmisch komplexen Klängen. Dieses dynamische und rhythmische Spiel mit den Gegensätzen gibt der Musik Tingvalls eine Energie, die so selten im Jazz zu finden ist. „Wie ein Sturm treibt er [Tingvall] oft die Melodien vor sich her, lässt dann und wann eine spielerische Böe aufwirbeln, auf dem Weg zum Gipfel eine Steigerung, die eben noch ganz balladesk begann“ (Jazzthetik, 2008). Angesichts solcher Kompositionen überrascht es wenig, dass Martin Tingvall seine eigenen Vorbilder sowohl in der Rockmusik als auch im skandinavischen Jazz und sogar in der Klassik sieht. Deshalb ist es für Martin Tingvall auch besonders wichtig, „nicht nur Jazzfans anzusprechen“, sondern auch diejenigen zu erreichen, die sonst keinen Jazz hören. „Das größte Lob ist für mich immer, wenn nach dem Konzert jemand zu mir kommt und mir erzählt, dass er normalerweise keinen Jazz hört, unsere Musik aber ganz toll fand“, sagt er. „In der Regel sind die Menschen nämlich offen für unterschiedliche Musik, wichtig ist, dass auch wir Musiker uns öffnen für die verschiedenen Menschen.“

In den letzten Jahren hat Martin Tingvall mit seinem Klaviertrio, dem Tingvall Trio, auf allen bedeutenden deutschen Festivals (vom Jazzfest Berlin bis zu den Leverkusener Jazztagen) gespielt und war auch auf internationalen Bühnen in mehr als 150 Konzerten bestens vertreten, u.a. in Österreich, der Schweiz, den Beneluxländern, Spanien, Italien, Polen, Tschechien, Russland, Norwegen, Schweden, Dubai und Anfang 2011 nun zum ersten Mal in Südafrika und Japan. Darüber hinaus wurden das Tingvall Trio mit ihrem aktuellen Album „Vattensaga“ in diesem Jahr mit dem ECHO JAZZ für das „Beste Ensemble National 2010“ ausgezeichnet. 


Biografie
Martin Tingvall wurde 1974 in der südschwedischen Provinz Schonen geboren. Nach dem Besuch eines Musikgymnasiums studierte er zuerst an „Skurups Folkhögskola“, dann an der Hochschule für Musik in Malmö Jazzklavier, Komposition und Improvisation. Zwischendurch absolvierte er ein Auslandssemester in Holland an der „Hanzehogeschool“, der Hochschule für Musik, in Groningen. Im Jahr 1999 schloss Martin Tingvall sein Studium mit einem Diplomkonzert an der Hochschule in Malmö ab. Im gleichen Jahr noch zog er nach Hamburg, wo er seitdem mit vielen bekannten Künstlern ganz unterschiedlicher Musikrichtungen – so zum Beispiel Inga Rumpf, Orange Blue und Udo Lindenberg - zusammenarbeitet. Nebenbei ist Martin Tingvall auch als Songwriter und Filmmusikkomponist tätig. Im Jahr 2003 gründete Martin Tingvall zusammen mit dem Schlagzeuger Jürgen Spiegel und dem Bassisten Omar Rodriguez Calvo das Klaviertrio „Tingvall Trio“. Martin Tingvall komponiert sämtliche Stücke für das Tingvall Trio.


Diskografie
TINGVALL TRIO:
- Neuerscheinung im Juli 2011
- Vattensaga, 2009
- Norr, 2008
- Skagerrak, 2006

Alle CD erhältlich bei SKIP Records GmbH, Hamburg.