ISORHYTHMS FOR SOLO PIANO

mit Christoph Stiefel (CH): piano, live-electronics

Samstag, 30. August 2008, 20.00 Uhr

Mit Isorhythmen gearbeitet, respektive komponiert wurde zum ersten Mal in der Renaissance (Ars Nova). Gleiche (Iso=gleich auf griechisch) Rhythmen werden dabei mit verschiedener Melodik kombiniert, wobei sich dadurch für den Hörer absolut ungewohnte rhythmische, wie auch melodische Ueberlagerungen der verschiedenen Ebenen ergeben. Diese spätmittelalterliche Kompositionstechnik der Isorhythmie wirkte anregend auf den Pianisten und Komponisten Christoph Stiefel, der als Jazz-Pianist rhythmische Grenzbereiche zu erkunden begann. Auf den Geschmack gekommen war Stiefel einst durch seine Komposition «Sweet Paradox», die ihm gleichsam das Tor zur Welt der «Isorhythmen» öffnete.

Die Grundidee von Stiefels isorhythmischem Konzept liegt darin, dass mittels sich variierenden rhythmischen Sequenzen, die über mehrere Takte hinweg einen (spürbaren, aber nicht gespielten) Grundrhythmus überlagern, eine interessante Spannung erzeugt werden kann. Diese Ueberlagerungen werden ihrerseits in der Improvisation durch gegenläufige rhythmische Phrasen nochmals überlagert. Die rhythmischen Muster und Motive werden melodisch so gestaltet und variiert, dass der Hörer die rhythmischen Ereignisse auf verschiedene Arten wahrnehmen und interpretieren kann, ja er wird sogar manchmal absichtlich in die Irre geführt: Je nach Akzentuierung der verschiedenen Ebenen nimmt der Hörer den rhythmischen Fluss der verschiedenen Ueberlagerungen als einen sich dauernd ändernden Rhythmus wahr, obschon in Wahrheit der Grundrhythmus einer Komposition meist gleich bleibt. Dieser daraus resultierenden rhythmischen Spannung werden klare, melodiöse Themen gegenübergestellt, eingebettet  in eine moderne, dem Jazz nahestehende Harmonik, klanglich teilweise erweitert durch den Einsatz von live-Elektronik und Klavierpräparationen.

Auf diese Weise hat Stiefel in den letzten 15 Jahren eine eigenständige Musik entwickelt, die sowohl interessante Aspekte des Komponierens, sowie die wichtigsten Elemente der Improvisation auf eine persönliche Art beinhaltet. In der improvisierten Musik wurde das Gebiet der Isorhythmen bisher nicht weiter erforscht, sicher auch, da die pianistische Umsetzung der verschiedenen rhythmischen und klanglichen Ebenen sehr komplex ist. Gerade bei der Improvisation liefern die übergelagerten melodischen Sequenzen jedoch viel inspirierendes Material, um improvisierenderweise in neue melodische, harmonische und rhythmische Räume vorzustossen. Ob es sich dabei um Neukompositionen oder um rhythmische Überlagerungen von Jazz-Standards handelt: Gefragt ist in jedem Fall höchste pianistische Virtuosität – und eine spielerische Freiheit, die nicht nur die motorische Unabhängigkeit der Hände und Finger, sondern letztlich immer auch Eigenständigkeit des Denkens bedeutet.

Konzerte, Tourneen, Aufnahmen mit: Ernie Watts, Peter Erskine, Kevin Eubanks, Charlie Mariano, Robin Eubanks, Marvin"Smitty"Smith, Ralph Moore, Brian Bromberg, Ray Anderson, Heiri Känzig, Dieter Ilg, Nene, Harald Haerter, Marilyn Mazur, Michel Benita, Jeff Hirshfield, Roberto Gatto, Joel Allouche, Andreas Vollenweider, Marcel Papaux, Büne Huber, Patrice Moret, Nat Su, Norbert Pfammater, Stefano Saccon, Lars Lindvall, Bänz Oester, Max Lässer, Marianne Racine, John Voirol, Flavio Boltro, Fabio Freire, Stephan Rigert, Dave Doran, Joseph Bowie u.a.m.
      

Biografie
Christoph Stiefel, geboren in Zürich am 29. Juli 1961, ist in verschiedensten musikalischen Bereichen tätig als Pianist, Keyboarder, Komponist, Arrangeur und Produzent. Nach klassischem Klavierunterricht im Kindsalter, konzentrierten sich ab 1980 seine musikalischen Interessen vorallem auf Funk, Fusion und Jazz. Neben seiner Tätigkeit als "Sideman" in verschiedensten CH-Bands wie Sofa, Max Lässer's Ark u.a. m. formierte er 1980 seine eigene Funk-Band Stiletto, mit der er 2 CD's produziert hat. Ab 1984 war er für 5 Jahre ständiges Bandmitglied von Andreas Vollenweider & Friends. Mit dieser Gruppe unternahm er ausgedehnte Konzerttourneen in USA, Kanada, Europa, Japan und Australien. 1990 formiert er sein eigenes Jazz Trio / Quartet, produzierte bisher 5 CD's (93/95/97/01/06) und gab viele Konzerte in der Schweiz, Deutschland und Oesterreich mit der Gruppe in verschiedensten Besetzungen mit Peter Erskine, Charlie Mariano, Michel Benita, Jeff Hirshfield, Hämi Hämmerli, Dieter Ilg, Roberto Gatto, Alfred Kramer, Rätus Flisch, Tony Renold, Heiri Känzig, Joel Allouche, Matthieu Michel, Nat Su u.a.m. Die aktuelle Trio CD “7 MeilenStiefel”  in der neuen Besetzung mit Patrice Moret und Marcel Papaux wird im März 2006 veröffentlicht werden. 1996 formiert er mit dem Afro-Brasilianischen Perkussionisten und Sänger Fabio Freire das Duo-Projekt "Limmazonas" (CD “Limmazonas” 2000 RecRec.) Im Frühling 1997 erhält Christoph Stiefel von der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia den Kompositionsauftrag zugesprochen, für das Zürcher Kammer-orchester ein "Konzert für Klavier, zwei Schlagzeuger und Streichorchester" zu schreiben. Die Uraufführung fand statt am 10. Juli 1998. Ab 2001 Solo Piano Projekt ISORHYTHMS. Ab 2003 : Envelope Generator –  Trio mit Florian Goette (bass) und Marius Peyer (drums, electronics) im Nujazz-Bereich angesiedelt, mit viel Synthesizern, Samplern und live-Elektronik. Lehrertätigkeit: 1994 - 1998 Dozent an der Jazz Schule Zürich. Seit 1998 Dozent an der Musikhochschule Luzern für Keyboards & Klavier. Christoph Stiefel lebt mit seiner Frau und seinen 2 Kindern in Zürich.


Diskografie
Christoph Stiefel & Stiletto: "Stiletto" AF Records - Phonag 1988
Christoph Stiefel & Stiletto: "Pangani" Pangani Records  - COD 1990
Christoph Stiefel Solo Piano: "A Silent Perspective" Biber Records (D)1991
Christoph Stiefel Quartet: "Between Moon & Sea" Pangani Records-Phonag 1993
Christoph Stiefel Quartet: "Ancient longing" Jazzline Records(D) 1995
Christoph Stiefel Trio: "Sweet Paradox" Jazzline Records(D) 1997
Christoph Stiefel & Fabio Freire: "Limmazonas" RecRec 2000
Christoph Stiefel Trio: "dream of the camel" Enja Records(D) 2001
Christoph Stiefel: “Isorhythms for Solo Piano” Pangani Records-RecRec 2005
Christoph Stiefel Trio: "7 MeilenStiefel" Neuklang Records(D) 2006


Pressestimmen zu "Isorhythms for Solo Piano" 
«…Die neue Solo CD von Christoph Stiefel ist ein Meisterstück. Eine gefühlvolle und zugleich rationale Musik. Wie sich in den elf Stücken die Linien und Rhyth-men überlagern, ist von seltener Abgerundetheit.» Jazz’n’More Nov 05

«…Klingt schwer (zu spielen), aber zum Hören kinderleicht und mitunter sogar berauschend. So als würden Meade Lux Lewis, Monk und Cecil Taylor über die musikalische Relativitätstheorie diskutieren. » Jazzthing Juni 07

«…Die Isorhythmen entfalten eine sinnliche Sogwirkung…Schier unerhört, was Christoph Stiefel an Groove, Phantasie, Variantenreichtum, Klanglichkeit und Stimmungen herauszaubert. Bei aller Tücke entfaltet sich höchster Unterhaltungswert. Eine tolle Entdeckung aus der Musikgeschichte faszinierend in unsere Zeit übersetzt. »  Jazzpodium Juni 07

«…Die Ingredienzen seiner Musik ergeben eine glückliche Melange. Sinnlich sind die Töne und auch rational. Romantisch und konstruktivistisch. Mit welcher Unabhängigkeit der Pianist seine Kapriolen und Doppelsalti vollzieht, das ist gerade so, als ob er über getrennte Schaltzentralen hinter seinen Händen verfügte. Die Perfektion und die Treffsicherheit von Christoph Stiefel sind bemerkenswert. » Tages-Anzeiger Sept 05

«Christoph Stiefel begeisterte das Publikum…Flüssig und mit differenziertem Anschlag umschiffte Stiefel alle Klippen der teils komplizierten Rhythmik. Es ist erstaunlich, wie viel Farben Stiefel trotz der strengen Regeln der Kompositionstechnik seinem Spiel entlocken kann..,, .» Westdeutsche Zeitung Dez. 06

 

Wir danken der GGG-Basel sehr herzlich für die finanzielle Unterstützung.