MICHEL GODARD (F) / GAVINO MURGIA (SRD): DEEP SOUNDS

Samstag, 20. Juni 2015, 20.00 Uhr

Eintritt: Fr. 36.– (Ermässigung für Schüler und Studenten)

 
Michel Godard, geboren 1960 in der Nähe von Belfort (Frankreich), etablierte sich schon früh als ein außergewöhnlich vielseitiger Tubaspieler, der in Klassik und Jazz gleichermaßen zu Hause ist. Heute gilt er als einer der virtuosesten Tuba- und Serpentspieler des Jazz und anderer improvisierter Musik. 1979 begann er den Serpent, zu spielen - Instrument mit der charakteristischen Wärme und dem intensiven Klang. Michel Godard gelingt es dem Klang dieses Instruments in seiner grenzüberschreitenden Musik eine Heimat zu geben. Michel Godard gehört zur angesehenen europäischen Jazzszene. Er ist nicht nur langjähriges Mitglied der Gruppe um Rabih Abou-Khalil, die Liste derer mit denen er musiziert und kooperiert ist schier endlos denn Musiker wie Publikum schätzen ihn gleichermaßen. „Just to name a few: Pierre Favre, Michel Portal, Louis Sclavis, Enrico Rava, Kenny Wheeler aber auch mit Barock Orchestern, La fenice und dem Orchestre National de France war er unterwegs. Inspiriert von mittelalterlichen Klängen hat er die Projekte Castel Del Monte ( 2 CDs bei Enja Rec.) und La Vergine Nera ins leben gerufen mit denen er in Kirchen und auf Festivals gastiert. In den letzten Jahren sah man ihn mit seinem deutsch / französisch / österreichischen Projekt Cousins Germains mit Christof Lauer, Wolfgang Puschnig, Marc Ducret, Wolfgang Reisinger, Herbert Joos sowie zusammen mit Dave Bargeron im Duo TubaTuba. An diese gelungene Duo Erfahrung knüpft er nun mit Gavino Murgia an.

Gavino Murgia, geboren in Sardinien (Voc, Sax), dessen einzigartiger und akrobatischer Umgang mit der Stimme, einfach fasziniert, ist nicht nur in seiner Italienischen Heimat bekannt, mittlerweile spielt er europaweit und überall staunt man was er an Tönen hervor zu bringen vermag. Rabih Abou-Khalil war von seiner Stimmkunst so angetan, dass er ihm eigens eine Komposition auf den Leib schrieb (Morton´s Foot, Enja Rec.). Murgia hat eine tiefe Verwurzelung in der eigenen sardischen Musiktradition zu der die von ihm so meisterlich ausgeübte Obertongesangstechnik gehört. Als Tenor- und Sopransaxofonist kennt und schätzt man ihn in Italien u.a. für seine Zusammenarbeit mit Paolo Fresu, Elena Ledda u.a. Sein Saxofonspiel dürfte für das deutsche Publikum aber noch eine Entdeckung sein. Zuhause in beiden Welten, der der italienischen Folktradition ebenso wie der des Jazz, lässt er sich und seine Musikalität ebenso wenig von stilistisch gezogenen Grenzen einschränken wie Godard. Auf dieser Ebene musikalischer Freiheit treffen sich die beiden um sich mit Leichtigkeit durch Klassik, Jazz, Kirchen- und Volksmusik zu schwingen und dahin wo der Rhythmus und die Spielfreude sie treibt.

Ein Konzertabend mit Godard und Murgia ist ein musikalisches Erlebnis auf höchstem Niveau und vielleicht gerade deshalb so erfrischend und erfreulich.

 

Serpent

Der Serpent, ein Blasinstrument aus Holz und Leder, wird mit einem Kesselmundstück aus Horn gespielt. Erste Quellen erwähnen ihn um 1600 in Auxerre, Frankreich. Er ist der Vorgänger des Ophicléides und der Tuba und war ein sehr verbreitetes und wichtiges Instrument vom 17. bis ins 19. Jahrhundert (Begleitinstrument in der Kirche, Militärmusik, und Klassische Musik), danach verstummte er.

Der Serpent erlebt zurzeit einen neuen Frühling. Dieses einzigartige Instrument, gewunden wie eine Schlange, begleitete im 16. Jh. den gregorianischen Gesang, heute macht er eine Reise durch die Musikgeschichte: von Monteverdi bis zum modernen Jazz und zur zeitgenössischen Musik. Michel Godard hat für das Instrument für sich entdeckt und setzt es als erster im Jazz ein.

Der Serpent wird an Konservatorien, vor allem an französischen, wieder gelehrt. Dies Dank der neuen Instrumente, die jetzt wieder zur Verfügung stehen. Stephan Berger baut in seiner Werkstatt, in den jurassischen Freibergen, Serpente wie im 18. Jh., dem Höhepunkt des Instruments. Die intensive Zusammenarbeit mit Michel Godard ermöglicht es dem Instrumentenbauer, die Serpente und die Mundstücke weiter zu verfeinern.